Wofür stehen die einzelnen Buchstaben in LGBTQ*?

Wofür stehen die einzelnen Buchstaben in LGBTQ?

Viele Menschen wissen nicht, was unsere Community eigentlich alles einschließt. Wenn du diesen Blog liest, gehe ich zwar davon aus, dass du im weitesten Sinne Teil der Community bist, aber es kann trotzdem sein, dass dir nicht jeder Begriff geläufig ist. Die Abkürzung LGBTQ* greift auch eigentlich zu kurz, weil sie mehrere Untergruppen auslässt und unter dem Sternchen zusammenfasst. Die folgende Aufschlüsselung soll im Idealfall alle sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten abdecken. Falls dir auffällt, dass ich etwas vergesse, kontaktiere mich gerne persönlich! Vorab sage ich dir noch, dass die Abkürzung sich auf englische Begriffe bezieht, die im Deutschen teilweise mit einem anderen Buchstaben beginnen.

Das L in LGBTQ*

Das L steht für lesbian, also lesbisch. Lesben sind Frauen*, die sich per Definition nur zu anderen Frauen* hingezogen fühlen und mit diesen romantische und/oder sexuelle Beziehungen eingehen. Es ist durchaus möglich, eine lesbische Transfrau zu sein. Genauso ist es aber auch legitim (und recht weit verbreitet), dass eine lesbische Frau nur Interesse an cis-Frauen hat. In der Serie The L Word gab es auch mal einen Charakter, der zwar als männlich präsentiert wurde und sich selbst auch nicht als transsexuell o.ä. bezeichnet hat, aber dennoch lesbisch war.

Das G in LGBTQ*

Unter dem Buchstaben G befindet sich das Wort gay. In erster Linie sind damit schwule Männer* gemeint. Gay kann aber auch eine Selbstbezeichnung von nicht-männlichen und/oder nicht-schwulen Personen sein. Lesbische Frauen* bezeichnen sich z.B. im Englischen auch oft als gay. Schwul ist quasi die männliche Variante von lesbisch: In der Regel handelt es sich bei Schwulen um cis-Männer, die an anderen cis-Männern interessiert sind. Transmänner können sich aber genauso als schwul identifizieren und zu potenziellen Partnern von anderen Schwulen werden.

Das B in LGBTQ*

B wie bisexual, also bisexuell, stand ursprünglich für Personen, die sich zu „beiden“ Geschlechtern hingezogen fühlen. Da aber inzwischen in der Gesellschaft (theoretisch) bekannt ist, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, solltest du stattdessen sagen, dass Bisexuelle sich zu zwei Geschlechtern hingezogen fühlen. Man kann darüber diskutieren, ob Bisexualität bedeutet, man habe Interesse an cis-Männern und cis-Männern. Alternativ habe ich auch schon gehört, es bedeutet, man fühle sich zu Personen des eigenen Geschlechts und zusätzlich eines anderen Geschlechts hingezogen. Man kann aber genauso sagen, der Bezug zum eigenen Geschlecht spiele keine Rolle, solange es genau zwei verschiedene Geschlechter sind, die man bevorzugt.

Das T in LGBTQ*

Transsexuelle (transsexuals) bekommen bei Ihrer Geburt aufgrund körperlicher Merkmale ein Geschlecht zugeschrieben, das nicht ihrem tatsächlichen Geschlecht entspricht. Wenn die Umstände es erlauben, ändern Transsexuelle Aspekte an sich, um ihr tatsächliches Geschlecht zu erschaffen. Dazu können z.B. eine Änderung des Namens, eine Anpassung der Geburtsurkunde und sogenannte geschlechtsangleichende Operationen gehören. Der Prozess kann viele Jahre dauern und jede*r entscheidet für sich selbst, welche Änderungen gewünscht sind – sofern eine Wahl besteht.

Das Q in LGBTQ*

Für das Wort queer gibt es keine deutsche Übersetzung. Ursprünglich war es eine Beleidigung hauptsächlich für Schwule, aber auch für alle anderen, die nicht der heteronormativen Vorstellung entsprechen. Die Community hat den Begriff für sich zurückgewonnen. Als queer kann sich im Prinzip jeder bezeichnen, der zur Community gehört. Das Wort dient quasi als übergeordneter Begriff, unter dem sich alles andere zusammenfassen lässt. Als queer kann man sich auch identifizieren, wenn man nicht der Heteronormativität entspricht, darüber hinaus aber keine Bezeichnung für sich selbst hat oder möchte. Einige Menschen, die sich aber sehr wohl einem bestimmten Begriff zugehörig fühlen, lehnen es ab, sich selbst als queer zu bezeichnen oder von anderen so genannt zu werden.

Weitere Buchstaben

Das I steht für intersexual, also intersexuell. Im Sprachgebrauch besser bekannt sind die Begriffe Zwitter oder Hermaphrodit. Im Prinzip steht Intersexualität dafür, dass man sowohl mit männlichen* als auch weiblichen* Geschlechtsmerkmalen geboren wird. Die Ausprägung kann aber stark variieren und nicht jede Intersexualität wird direkt bei der Geburt erkannt. Früher wurden Kleinkinder kurze Zeit nach der Geburt operiert, um die Merkmale eines Geschlechts zu entfernen. Unabhängig von anderen Aspekten wurden intersexuelle Menschen oft zu Mädchen gemacht. In Deutschland ist es seit kurzem möglich, ein Kind bei der Geburt als intersexuell (Stichwort drittes Geschlecht) registrieren zu lassen. Die betroffene Person kann sich dann zu einem späteren Zeitpunkt selbst entscheiden, ob sie eine Geschlechtsangleichung wünscht und wenn ja, welche.

Viele vermuten fälschlicherweise, das A stünde für allies (Verbündete), also Personen, die zwar selbst cis und hetero sind, unsere Community aber unterstützen. In Wahrheit steht das A aber für asexuals, also Asexuelle. Asexuelle Menschen haben wenig bis gar kein sexuelles Interesse. Auch in der Asexualität herrscht ein Spektrum: Manche Asexuelle lehnen nur Sex mit anderen ab, masturbieren aber und andere haben zwar nicht das gesellschaftlich verbreitete Vergnügen am Geschlechtsverkehr, praktizieren ihn aber gelegentlich trotzdem (z.B. aus Reproduktionsgründen). Asexuell zu sein bedeutet nicht unbedingt, dass Sex etwas schlimmes für einen ist.

Gerne ausgelassen wird der Buchstabe P, der gleich drei Untergruppen repräsentieren kann: Polysexuelle, Pansexuelle und Polygame/ Polyamore. Polysexuell bedeutet, dass man sich zu Menschen mehrerer Geschlechter und/oder Geschlechtsidentitäten hingezogen fühlt, aber nicht zu allen. Pansexuell bedeutet, dass das Geschlecht und die Geschlechtsidentität absolut keine Rolle spielen. Eine Anziehung ist potenziell zu jedem Menschen möglich. Die Wahl der Partner wird ausschließlich anhand anderer Kriterien wie z.B. gemeinsame Interessen getroffen. 

Polyamore Menschen können starke Gefühle für mehr als eine Person zur selben Zeit empfinden. Polygame Menschen befinden sich in der Regel in Beziehungen mit mehreren Menschen. Dabei ist es möglich, dass eine Beziehung zwischen zwei Menschen herrscht, von denen nur einer weitere Beziehungen führt. Es kann aber auch sein, dass beide Partner*innen parallel mit anderen Menschen zusammen sind. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass eine Beziehung aus mehr als zwei Personen besteht. Polygamie und Polyamorie unterscheidet sich vom Konzept einer offenen Beziehung insofern, als dass Sexualität nicht unbedingt das treibende Motiv ist. In der Regel werden keine reinen Geschlechtsbeziehungen angestrebt, die nebenbei laufen, sondern tiefe emotionale Beziehungen.

Eine weitere Szene, die im weiteren Sinne zur LGBTQ*-Community gehört und auch auf vielen Pride Paraden vertreten ist, ist die BDSM-Szene. Bondage, Domination, Sadism und Masochism, also Fesselspiele, Dominierung, Sadismus und Masochismus werden als sexueller Fetisch klassifiziert. Im Zentrum der Praktiken stehen Aspekte wie Schmerz, Kontrolle und Vertrauen. Menschen, die BDSM praktizieren, sehen sich nicht unbedingt als Teil der Community und anders herum. Beide Gruppen werden allerdings in der Gesellschaft wenig anerkannt, oft auf den Begriff der Perversion und Abnormalität reduziert und diskriminiert. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht in meinen Augen deshalb schon.

Im Bereich der Geschlechter und Geschlechtsidentitäten gibt es noch ein paar Bezeichnungen, die in der Kurzform LGBTQ* nicht durch einen eigenen Buchstaben repräsentiert werden: Der nicht mehr ganz moderne Begriff des Transvestiten bzw. der Travestie wird gerne fälschlicherweise mit Transsexualität in Verbindung gebracht. Dabei bedeutet es im Grunde nur, dass eine Person sich durch eine Verkleidung als Person eines Geschlechts darstellt, das nicht ihrem eigenen entspricht. Die modernere Bezeichnung lautet Drag Queen bzw. Drag King. Wer Drag macht, ist nicht gleich transsexuell. Es ist durchaus möglich, dass eine transsexuelle Person Drag macht. Genauso finden sich aber auch sehr viele Menschen, für die Drag ein Hobby oder eine Art der Performance Kunst darstellt.

Wer Genderbender ist, spielt gerne mit der Darstellung von Geschlecht. Genderbender können z.B. unabhängig von der Selbst- und Fremdwahrnehmung an einem Tag im Smoking mit Budapestern bekleidet sein und am nächsten ein Sommerkleid mit Sandalen tragen. Haare und eventuelles Make-up können ebenfalls variieren. Außerdem kann ein Mix stattfinden: Das Anziehen eines gesellschaftlich als „männlich“ wahrgenommenen Outfits in Kombination mit einem aufwendigen Make-up wäre dafür eine Option.

In einem früheren Absatz habe ich erwähnt, dass die Gesellschaft traditionell von zwei Geschlechtern (männlich und weiblich) ausgeht und es inzwischen in Deutschland gesetzlich das dritte Geschlecht (intersexuell) gibt. Wer sich mit dem Konzept der Geschlechterbinarität nicht korrekt dargestellt fühlt, bezeichnet sich vielleicht – unabhängig davon, ob die Person objektiv als intersexuell eingestuft wurde – als Non-Binary, also nicht-binäre Person. Eine Person kann sich auch zeitweise selbst so wahrnehmen und von anderen wahrgenommen werden und dann auf eine andere Beschreibung wechseln. Ein dauerhafter Zustand ist aber auch möglich. Im deutschen Sprachgebrauch ist es schwierig, diese Personen zu beschreiben, da weder er noch sie das richtige Pronomen sind. Im englischen findet das Wort they dann Anwendung.

Habe ich einen wichtigen Teil unserer Community ausgelassen oder fühlst du dich von mir falsch oder schlecht repräsentiert? Setze dich gerne mit mir in Verbindung! Du kannst einen Kommentar hinterlassen, dich mit mir auf Instagram verbinden oder eine E-Mail schreiben.

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