Was zur Hölle sind Schwanzweiber?

Person unidentifizierten Geschlechts mit Regenbogenhaaren und Sonnenbrille ruft etwas

Vor einigen Jahren war ich auf eine Geburtstagsfeier eingeladen. Die anderen anwesenden waren zum Großteil heterosexuell und cis. Da ich mich wegen meiner Sexualität nicht schäme und auch keinen Grund dafür sehe, sie geheim zu halten, erzählte ich natürlich auch von Ex-Freundinnen, woraufhin ein Dialog begann, den ich sehr oft führe:

„Ex-Freundin? Also bist du lesbisch?“

„Nein.“

„Was bist du dann?“

„Ich bin nicht hetero. Ich gehe prinzipiell Beziehungen mit jedem Menschen ein, unabhängig vom Geschlecht.“

„Also bist du bisexuell!“

„Nein.“

„Hä? Aber ich denk, dir ist das Geschlecht egal.“

„Ja, aber es gibt mehr als zwei Geschlechter.“

„…“

Das ist dann meistens der Punkt, an dem ich versuche zu erklären, dass eine Person auch genauso gut beide Geschlechter haben kann. Oder keins. Oder mal das eine und mal das andere. Dass Geschlecht nicht nur etwas mit Biologie zu tun hat, sondern auch mit Identität und sozialen Rollenvorstellungen. Dass eine Person sich vielleicht mit einem Geschlecht identifiziert, aber eben nicht immer in das Bild passt, das wir von diesem Geschlecht haben.

Glaubst du, dass viele Menschen diesen Ansatz verstehen? Leider nicht. Oft sehe ich mich dann gezwungen, Beispiele zu nennen. An diesem Abend kam ich dann dazu, von Personen zu berichten, die rein optisch Merkmale beider Geschlechter haben, z.B. einen Penis und Brüste.

„Achsoooo! Also bumst du gerne Schwanzweiber!“

Dass sexuelle Orientierungen immer rein auf das Thema Sex reduziert werden, geht mir hart auf den Sack, wird aber ein anderes Mal Thema sein.

Die LGBTQ+ Community hat sich schon immer Beleidigungen zu eigen gemacht

Auf jeden Fall war das Wort in typisch heteronormativer Manier witzig-herablassend mit einer beleidigenden Note gemeint. Und ich liebe es. Ich bin ein riesiger Fan von deutschen Beleidigungen. Sie klingen hart und polarisieren.

Beleidigt zu werden, ist für unsere Community nichts neues! Das Wort Queer war ursprünglich als Beleidigung gemeint und ist jetzt das Q in LGBTQ. Dyke ist im englischen Sprachraum eine heftige Beleidigung für Lesben. Auf vielen Pride Paraden gibt es die Dykes on Bikes. Das Wort Schwanzweiber soll sich in diese Tradition einreihen. Besonders, weil es bei näherem Hinsehen so geil auf uns (fast) alle anwendbar ist.

Wer kann ein Schwanzweib sein?

Ich persönlich empfinde mich als Schwanzweib. Ich bin als Frau geboren und erfülle die biologischen Anforderungen an das Geschlecht Frau. Ich habe sogar zwei sogenannte „Frauenkrankheiten“. Im Großen und Ganzen identifiziere ich mich damit, eine Frau zu sein und bevorzuge auch die Pronomen „sie/ihr“. Es gibt aber Punkte, in denen ich nicht ganz so „weiblich“ bin:

Manchmal schminke ich mich, aber oft auch nicht. Hin und wieder trage ich Kleider, aber manchmal trage ich auch Jeans, Shirts und Hoodies aus der Herrenabteilung gepaart mit einer Base Cap. Ich habe wenig bis gar kein Interesse an Familienbildung, sondern bin auf persönliche Entwicklung und Karriere fokussiert. In meiner Beziehung (mit einem heterosexuellen cis Mann) bin ich die Alleinverdienerin und Ernährerin. Ich finde rosa und Glitzer und Hello Kitty toll, aber schwarz und Minimalismus eben auch. Ich bin ein großer Fan von verschiedenen Tanzsportarten, aber eben auch von Kampfsport und Nahkampftechniken. Ich bin schon seit meiner frühen Kindheit ab und zu für einen Jungen gehalten oder gefragt worden, ob ich lieber ein Junge oder Mann sei und Sätze wie „Du bist ganz anders als andere Frauen“ höre ich oft.

Was ist das Ziel des Schwanzweiber Blogs?

Unsere Gesellschaft ist auf das Konzept von zwei Geschlechtern ausgerichtet, die sich klar voneinander abgrenzen lassen. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Konzept die Basis für die Marginalisierung und Diskriminierung von uns Randgruppen (und Frauen allgemein) ist.

Ich will ein Bewusstsein dafür schaffen, dass dieses Konzept fehlerhaft ist und die meisten von uns dem gar nicht gerecht werden (können oder wollen). Ich will, dass ihr merkt, dass es sehr viele von uns gibt und dass wir mehr gemeinsam haben als uns voneinander trennt!

Ich will eine Community gründen, eine Bewegung, die die Geschlechtergrenzen infrage stellt, offen kritisiert und sprengt!

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