Love, Simon – Coming Out realistisch dargestellt

Mann schaut auf einen Fernseher.

Hast du schon den Film Love, Simon gesehen? Oder vielleicht das Buch gelesen, auf dem er basiert? Den Film konnte ich vor einigen Wochen endlich sehen (Streaming Diensten sei Dank) und das Buch steht ganz oben auf meiner Wunschliste! Weil ich das Buch noch nicht kenne, kann ich nicht viel dazu sagen, ob die Verfilmung gelungen ist (was ja selten der Fall ist). Als für sich alleinstehender Film fand ich ihn aber gut. Ich habe ihn bisher schon ein zweites Mal gesehen und das wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein.

Eine kleine Zusammenfassung (Spoiler Alert)

Simon ist ein kaukasischer, jugendlicher cis-Mann, der zwar schwul ist, aber nicht geoutet. An seiner Schule gibt es eine Art Forum, über das man sich austauscht, sein eigenes Leben beschreibt oder Infos über andere verbreitet. Ein bisschen wie Gossip Girl, nur weniger krass. Über diesen Kanal outet sich ein anderer Schüler anonym und Simon beginnt eine Unterhaltung via E-Mail mit ihm. Während er versucht, herauszufinden, welcher seiner Schulkameraden es sein könnte, gerät ein anderer Schüler in den Besitz einiger Nachrichten und erpresst Simon. Um sein Geheimnis zu wahren, manipuliert und belügt Simon seine besten Freunde. Im Endeffekt wird sein Geheimnis dann aber trotzdem über das Forum gelüftet. Vor seinen Eltern outet Simon sich dann kurz darauf selbst. In der folgenden Zeit meidet Simon zunächst seine Freunde, die dann auch erfahren, dass er sie belogen hat. Der andere schwule Schüler bricht den Kontakt ab, um sich selbst zu schützen. Am Ende des Films verzeihen Simons Freunde ihm, seine Familie unterstützt ihn und er erfährt die wahre Identität des anonymen Schülers. Natürlich küssen sich die beiden dann.

Ein leichter Film

Ich finde, dass viele schwullesbische Filme schwer, dramatisch und melancholisch sind. Es gibt wirklich schwierige Lebenserfahrungen von im realen Leben betroffenen und auch solche Wahrheiten müssen künstlerisch umgesetzt werden, aber zum Glück wird es tatsächlich besser und einige von uns dürfen ein relativ normales Leben führen. Es ist sehr erfrischend, dass ein Film auch mal eine leichtere Variante zeigt. Ja, der Protagonist Simon hadert mit seiner Sexualität und damit, was seine Freunde sagen werden. Aber im Gegensatz zu vielen anderen schwullesbischen Figuren in Filmen leidet er deshalb nicht an einer schweren psychischen Störung oder muss um seine körperliche Unversehrtheit bangen. Er ist kein absoluter Extremfall, sondern – wie er selbst sagt – ein ganz normaler Junge mit einem ganz normalen Leben. Und er ist schwul. Ich glaube und hoffe, dass sich damit ziemlich viele Menschen identifizieren dürften.

Der Film entwertet nicht

Was ich ebenfalls gut an der Geschichte finde, ist, dass sie die Probleme des Protagonisten nicht entwertet. Wie gesagt, hat Simon nicht mit extremen zusätzlichen Faktoren zu kämpfen und dennoch behauptet der Film nicht einmal, Simons Angst vor einem Coming-out sei unbegründet. Obwohl er in einer ziemlich liberalen Familie aufwächst, tolle Freunde hat und es an seiner Schule bereits einen anderen geouteten Schwulen gibt, fällt Simon sein eigenes Coming-out nicht leicht. Und das ist absolut nachvollziehbar und verständlich. Wir müssen nicht in einem gewalttätigen oder extrem repressiven Umfeld leben, um Unsicherheit zu empfinden. Auch die Angst, nicht mehr geliebt und respektiert zu werden, ist valide.

Was mir am besten gefallen hat

Mir hat sehr gefallen, dass der Film das Coming-out als einen Prozess darstellt. Simon sagt nicht einfach allen Menschen auf einmal, dass er schwul ist. Zuerst lässt er uns Zuschauer daran teilhaben, dann seinen online Freund, dann eine gute Freundin, dann wird er öffentlich geoutet und dann outet er sich vor seinen Eltern. Fünf einzelne Schritte hat dieser Prozess. Wäre Simon nicht gegen seinen Willen öffentlich geoutet worden, wären es wahrscheinlich noch viel mehr Schritte gewesen. Und das finde ich super.

Das Wort Coming-Out klingt immer nach so einer einmaligen Sache, bei der man einmal sagt, wer man ist und von da an weiß das jeder. Die Realität sieht aber anders aus. Die meisten von uns erklären sich immer und immer wieder vor anderen Menschen. Man sieht es uns ja auch (meistens) nicht an!

Auch lustig fand ich übrigens, dass Simons Freund sich am Ende als schwuler, schwarzer Jude herausstellt und das selbst ironisch bemerkt. Die Idee des schwulen, schwarzen Juden oder wahlweise auch schwarzen, schwulen Juden, jüdischen, schwulen Schwarzen, schwarzen, jüdischen Schwulen (you get the point) kursiert im Internet bereits seit Jahren. Diese Dreieinigkeit von unterdrückten, unterrepräsentierten Minderheiten feiere ich einfach hart.

Was mir nicht gefallen hat

Keine Ahnung. Ich fand den Film nett und das Sehen hat Spaß gemacht. Ich muss nicht auf Zwang nach etwas suchen, das schlecht war. Mir ist bewusst, dass vom Standpunkt eines professionellen Filmkritikers bestimmt einiges zu beanstanden wäre, aber das ist mir egal. Ich würde den Film jederzeit empfehlen und besonders Jugendlichen ans Herz legen.

Übrigens teile ich im Zuge dieses Beitrags meine eigene Coming-out Story auf Instagram in einem IGTV Video. Achja, und ich bin für diese Rezension weder beauftragt oder bezahlt noch gesponsort worden. Wäre aber cool. So Rezensionsexemplare sind schon was geiles.

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