Diskriminierung auf öffentlichen Toiletten

Das Innere eines öffentlichen WCs. Poster und Aufkleber auf Wand und Spiegel.

Öffentliche Toiletten sind für viele Leute ein unangenehmes Thema, denn der Besuch einer Toilette ist etwas sehr Privates. Dass öffentliche Toiletten gelegentlich nicht unserem persönlichen Hygienestandard entsprechen, kommt erschwerend hinzu. Allerdings sind das Probleme, die quasi jede Person haben kann. Für einige kommen noch viel komplexere Aspekte dazu.

In der Regel werden wir damit konfrontiert, dass es zwei separate Räume gibt: einen für Männer und einen für Frauen. Die deutsche Regierung hat zwar anerkannt, dass es noch andere Geschlechter geben kann, aber zusätzliche Toiletten wurden deshalb noch lange nicht gebaut. Ich vermute auch, dass es noch sehr lange dauern wird bis wir damit rechnen können. Es gibt ja noch nicht einmal überall Behindertentoiletten. Und dass es Menschen mit Behinderungen gibt, hat die Gesellschaft schon vor einer ganzen Weile bemerkt.

In den USA gibt es teilweise spezielle Toiletten für Non-Binaries

Vor ein paar Jahren (als noch Barack Obama der Präsident war) wurden in den Vereinigten Staaten einige öffentliche Toiletten um einen dritten Raum erweitert, den jeder benutzen durfte, der sich angesprochen fühlte. An und für sich eine tolle Sache. Leider haben sich viele Konservative darüber stark aufgeregt. Toilettenräume und die Türen wurden verwüstet, Menschen vor der Toilette aufgelauert und sie verbal und körperlich attackiert. Ein weiteres Problem: In dem Moment, in dem jemand dieses spezielle Bad betritt, outet sich die Person als nicht-cis. Ich bin trotzdem für die Einrichtung weiterer WCs in Deutschland, nur leider bin ich nicht so optimistisch zu glauben, dass damit alle Probleme gelöst sind.

Das allgemeine Problem mit den getrennten Toiletten

Zurück zu den deutschen Umständen, also dem Vorhandensein von jeweils einem Raum für „Männer“ und einem für „Frauen“: Theoretisch steht es uns selbst frei, zu entscheiden, welchen der Räume wir betreten möchten. Wir dürfen das Bad für das Geschlecht benutzen, mit dem wir uns identifizieren. Theoretisch ist das super für all diejenigen, die sich einem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen. Alle anderen müssen einen Kompromiss eingehen. Aber auch die „Glücklichen“ unter uns sind auf den zweiten Blick nicht ganz so gesegnet. Es ist komplett möglich, sich mit einem Geschlecht zu identifizieren, von der Gesellschaft aber (z.B. aus optischen Gründen) eher dem anderen binären Geschlecht zugeschrieben zu werden. Das ist insofern ein Problem, als das cis-Frauen keine „Männer“ in „ihrer“ Toilette haben wollen. Sie fühlen sich in ihrer Privatsphäre angegriffen. Ein Toilettenbesuch ist mit teilweisem Ausziehen verbunden – ein verletzlicher Zustand, in dem man sich unter Umständen stärkere Sorgen vor sexuellen Übergriffen macht. Schon die Anwesenheit eines „Mannes“ in einem Damen-WC kann als sexuelle Belästigung empfunden werden.

Im Männer-WC ist es sogar noch „schlimmer“: Im „besten“ Fall nehmen einen die anderen als Frau war. Dann fühlen sie sich vielleicht peinlich berührt oder finden es im Gegenteil sogar erheiternd, dass eine Frau sich in ihr WC verirrt hat. Meiner Erfahrung nach, fühlen sich Männer in so einer Situation weniger angreifbar als Frauen. Richtig problematisch wird es aber, wenn die cis-Männer einen als nicht-cis-Mann wahrnehmen. Dabei ist es fast egal, ob sie einen als Transsexuell, Transvestit oder etwas anderes identifizieren – besonders Männer neigen in solchen Situationen zu Beleidigungen und Angriffen. Für die betroffene Person wird ein Toilettengang also im schlimmsten Fall nicht nur unangenehm, sondern sogar gefährlich.

Natürlich ist es auch möglich, in einem Damen-WC das Opfer von verbaler und körperlicher Gewalt zu werden und anders herum in einem Männer-WC schlicht Unwohlsein und Angst beim Gegenüber zu verursachen.

Was also tun?

Aus Mangel an Alternativen haben sich die meisten Personen, die nicht in das Schema von sexueller Binarität passen, vermutlich für eine von drei Optionen entschieden:

  1. Sie vermeiden öffentliche Toiletten, um dem Problem aus dem Weg zu gehen.
  2. Sie wählen vorsichtshalber das WC, in dem sie mit weniger Gegenwehr rechnen – unabhängig davon, ob sie sich damit tatsächlich wohl fühlen oder nicht.
  3. Sie benutzen das WC, das sie wirklich benutzen wollen. Entweder akzeptieren sie die Unannehmlichkeiten, die das mit sich bringt oder sie haben bereits ein solches Selbstbewusstsein entwickelt, dass die Wahrnehmung von außen sie nicht beeinflusst.

Manchmal haben wir keine Wahl

Vor einigen Jahren habe ich etwas erlebt, das mich schwer schockiert hat: Ich war auf der Pride Parade in Hamburg, die ja bekanntermaßen von vielen Mitgliedern der LGBTQ* Community besucht wird. Die Parade endet mit einem Fest am Jungfernstieg. Direkt vor Ort gibt es portable Klohäuschen – für Männer und Frauen. Das ist schon 5 Jahre her, also hat sich inzwischen vielleicht etwas getan, aber selbst damals fand ich das sehr rückschrittig.

Es kommt aber noch schlimmer: Vor den Häuschen am Jungfernstieg waren recht lange Schlangen, also entschied ich mich, das öffentliche WC im Einkaufszentrum nebenan aufzusuchen. Dort musste ich zwar auch sehr lange anstehen, aber wieder zurückzugehen, erschien mir als ebenso unsinnig. Nach einer ganzen Weile befand ich mich endlich in der Nähe der tatsächlichen Toiletten. Der Andrang war so groß, dass eine Person des Reinigungspersonals für Ordnung sorgen musste. Sie wusste, wie viele Kabinen es im Damen-WC und wie viele Pissoirs und Kabinen im Herren-WC gab. Indem sie zählte, wie viele Personen ein WC betraten und verließen, konnte sie feststellen, ob jemand neues das WC betreten konnte.

Wenn in einem der WCs ein Platz frei wurde, drehte sich die Reinigungsperson zur Warteschlange, entschied mit einem Blick, wer das jeweilige WC aufsuchen würde und wies die Person an, das WC zu betreten. Das bedeutet im Klartext, eine wildfremde Person wies jedem Menschen in der Warteschlange ein Geschlecht zu! Wir durften nicht selbst aussuchen, welches WC wir aufsuchen wollten. Im Allgemeinen wäre das ärgerlich gewesen, aber im Kontext des Christophers Street Days fand ich das einfach nur schockierend.

Was ist die Lösung?

Selbstverständlich habe ich nicht für alles eine Lösung. Ich bin auch gar nicht dazu berechtigt, Aussagen darüber zu tätigen, womit andere sich wohl fühlen würden. Ich persönlich nehme mich weitestgehend als cis-Frau wahr oder zumindest soweit, dass ich ganz selbstverständlich das Damen-WC aufsuchen. Mir ist aber aufgefallen, dass es z.B. in Arztpraxen oft nur eine einzige Toilette gibt, die in Ermangelung an Auswahl von jedem benutzt wird. Ich habe bisher noch nicht erlebt, dass sich jemand daran stört und das kritisiert. Anstatt großer Räume mit mehreren Kabinen, wären vielleicht einzelne Räume mit jeweils nur einer Toilette eine Option. Auf jeden Fall halte ich Unisex-Toiletten für eine gute Lösung. Für manche wäre das zunächst unangenehm, aber eine perfekte Lösung, mit der jeder sich von Anfang an wohl fühlt, fällt mir leider nicht ein. Falls du noch einen besseren Einfall hast, freue ich mich sehr, wenn du ihn mit mir teilst!

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