Die Fetischisierung von Lesbensex – wir brauchen bessere Darstellungen von weiblich-homosexuellem Geschlechtsverkehr

Zwei Frauen üben sexuelle Handlungen aus

*Als Frau werden in diesem Beitrag alle Personen bezeichnet, die sich damit identifizieren. Nicht nur cis-Frauen sollen sich angesprochen fühlen.

Wenn man als Frau sexuelle Kontakte zu anderen Frauen hat und Personen, die damit wenig Erfahrung haben, davon erfahren, erhält man leider oft eine von zwei Reaktionen: Entweder die eigene Sexualität wird vom Gegenüber direkt fetischisiert oder gar nicht erst ernst genommen. Einige Sätze habe ich persönlich sogar schon mehrfach in meinem Leben gehört:

„Du brauchst nur mal einen richtigen Schwanz.“

„Kann ich mitmachen?“

„Dose auf Dose klappert.“

„Ohne Penis ist es kein Sex.“

„In Wahrheit wollt ihr doch einen Mann. Ihr benutzt doch alle Dildos.“

Dass ich solche Bemerkungen als äußerst irritierend und frustrierend empfinde, dürfte sich von selbst verstehen. Als Frau, die sowohl Geschlechtsverkehr mit Männern als auch mit Frauen hatte, kann ich sagen, dass beides für mich seinen Reiz hat. Sex mit Männern hat aber nie dafür gesorgt, dass ich kein Interesse mehr an Frauen habe. Penetration kann auch auf verschiedene Arten im Verkehr zwischen Frauen passieren. Ehrlich gesagt braucht die aber gar nicht jede von uns. Manche mögen es manchmal und manche nie.

Manchmal wissen sie es einfach nicht besser

Allerdings befinde ich mich ja nun in einer – und das ist eine ungewöhnliche Aussage – priviligierten Situation, denn ich habe persönliche Erfahrungen gemacht. Andere Personen haben diese realistischen, realen Erfahrungen oft nicht und werden sie teilweise auch nie machen. Im Grunde genommen, ist es also fast nachvollziehbar, dass ihre Meinungen und Gedanken dazu auf dem basieren, was sie präsentiert bekommen. Heterosexueller Sex wird in der Schule unterrichtet und teilweise zu Hause von den Eltern erklärt. Menschen unterhalten sich untereinander über ihre Erfahrungen und in den Medien wird Geschlechtsverkehr zwischen heterosexuellen cis-Personen oft dargestellt. Zugegeben, auch da gibt es viele fragwürdige Repräsentationen, aber immerhin gibt es eine große Auswahl an Bildungsquellen.

Wie weiblich-homosexueller Sex in den Medien dargestellt wird

Über homosexuellen Geschlechtsverkehr wird in den Schulen selten gesprochen. Die eigenen Eltern kann man ebenfalls kaum fragen, da sie selbst nicht unbedingt Erfahrung auf diesem Gebiet haben. Informationen über lesbischen Sex bekommt man also am ehesten über die visuellen Medien – und die dortige Darstellung lässt leider oft zu wünschen übrig. In familienfreundlich orientierten Formaten wird der sexuelle Akt meist nur angedeutet.

Explizite Darstellungen erhält man in der Pornographie. Der Großteil der Pornographie wird aber von heterosexuellen cis-Männern für heterosexuelle cis-Männer produziert. Die darin mitspielenden Frauen sind oft nicht einmal sexuell an anderen Frauen interessiert. Sie sind lediglich gay for pay. Dass daraus keine realistischen Szenen entstehen können, ist logisch. Die Frauen entsprechen oft den klassischen Schönheitsidealen: Sie haben lange Haare, sind dünn, am ganzen Körper enthaart, stark geschminkt und haben lange Kunstnägel. Ja, es gibt homosexuelle Frauen, die so aussehen. Meiner persönlichen Erfahrung nach sind Stilettonägel aber eher unangenehm… Oft stößt in solchen Pornos auch früher oder später ein Mann dazu, der sehnsüchtig erwartet wird.

Warum wir mehr und bessere Repräsentationen brauchen

Es geht mir gar nicht mal darum, dass ich keine Lust habe, heterosexuellen Menschen lesbischen Geschlechtsverkehr zu erklären oder mit blöden Kommentaren konfrontiert zu werden. Das ist nervig und respektlos, aber ich habe mich daran gewöhnt und kann mich aus solchen Situationen gut herausziehen.

Es geht mir eher darum, dass Frauen, die Interesse an Geschlechtsverkehr mit anderen Frauen haben, sich informieren können müssen. Ich erinnere mich selber daran, dass ich keine Ahnung bei meinen ersten Malen mit Frauen hatte. Das war peinlich und unangenehm und verkrampft. So richtig darüber reden und fragen wollte ich aber auch nicht. Ich hätte mir in meiner Jugend gewünscht, mehr Zugang zu realistischen Darstellungen und Informationen zu haben.

Gute Darstellungen von lesbischem Sex

Im Laufe der Jahre habe ich immerhin ein paar gute Inszenierungen gefunden, die ich anderen empfehlen könnte. Vor Jahren bin ich zum Beispiel auf einen sehr spannenden Porno gestoßen. Innerhalb weniger Minuten merkte ich, dass eine der beiden Frauen tatsächlich lesbisch war und die andere nicht. Die nicht-lesbische Frau hat auch zunächst eine typische Porno-Show abgezogen und total übertrieben gestöhnt. Bis sie dann feststellen musste, dass die lesbische Frau tatsächlich wusste, was sie da tat. Das Ausmaß an Überraschung, Erregung und Ekstase war einfach fantastisch. Diesen Film habe ich immer wieder angesehen bis er irgendwann nicht mehr verfügbar war. Inzwischen gibt es aber zum Glück Pornographie, die von Frauen für Frauen produziert wird. Darin finden sich oft bessere Inszenierungen. Wirklich gute Inhalte muss man aber käuflich erwerben. Das finde ich auch gut so. Richtige Pornographie möchte ich Minderjährigen aber nicht empfehlen.

Etwas weniger explizite, aber trotzdem reale Darstellungen von Geschlechtsverkehr findet man in der Reality Serie The Real L Word. Basierend auf der klassischen Serie The L Word folgte diese Sendung vor einigen Jahren in 3 Staffeln mehreren homo- und bisexuellen Frauen – teilweise bis ins Bett. In der Regel findet man auch dort nur Andeutungen, aber besonders in Staffel 2 gibt es einige Szenen, die lesbischen Sex gut darstellen.

Wer es noch ein bisschen weniger explizit möchte, sollte sich trotzdem an Filme und Serien halten, die nicht-heterosexuelle Frauen im Fokus haben. Filme, die für uns produziert werden, neigen zu realistischeren und weniger fetischisierten Sexszenen. Ein guter Film zu dem Thema ist zum Beispiel The Feels. Er befasst sich im Gegensatz zu vielen anderen Formaten auch mit den Problemen, die auftreten können. Auch Sex zwischen Frauen kann schlecht, unbefriedigend oder langweilig sein. Allein, dass dieser Fakt Beachtung findet, macht die Darstellung für mich persönlich direkt realistischer.

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